Die Angst vor einem sozialen Abstieg ist in Deutschland weit verbreitet. Rheinland-Pfalz belegt dabei den traurigen Spitzenplatz unter den westdeutschen Bundesländern. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage, die der Sozialverband Deutschland (SoVD) beim Meinungsforschungsinstitut Civey in Auftrag gegeben hat. 40% der Befragten in Rheinland-Pfalz blicken mit Sorge auf der Jahr 2026 und befürchten finanzielle Einbußen sowie Einschränkungen bei sozialer Teilhabe. Die Ergebnisse zeigen, dass soziale Abstiegsängste viele Bevölkerungsgruppen betreffen.
Aktuell liegt die Armutsgefährdungsquote in RLP bei rund 17,1%. Jedoch zeigen sich deutliche regionale Unterschiede auf. In der Westpfalz, zu der auch Kaiserslautern gehört, liegt sie sogar bei 19,5%, wohingegen sie in Rheinhessen deutliche niedriger ist. Betroffene Gruppen sind vor allem Ältere Menschen, Alleinerziehende und kinderreiche Familien.
Genau diese Gruppen gehören auch in der Civey-Umfrage zu den Personenkreisen, die besonders große Angst vor einem sozialen Abstieg haben.
SoVD: Ergebnisse sind Alarmsignal
„Die Umfrage bestätigt im Prinzip die Eindrücke, die uns täglich von unseren Mitgliedern in den SoVD-Beratungsstellen geschildert werden. Es ist alarmierend, dass insbesondere junge Menschen, Frauen, Arbeiterinnen und Arbeiter, die unser Land täglich am Laufen halten, sowie Haushalte mit Kindern, von denen unsere Zukunft abhängt, überdurchschnittlich häufig Abstiegsängste haben,“ fasst Norbert Weber, Landesvorsitzender SoVD Rheinland-Pfalz / Saarland, zusammen.
Der SoVD Rheinland-Pfalz / Saarland fordert von der Politik unter anderem eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung des Mindestlohns, Entgeltersatzleistungen für pflegende Angehörige und eine effektivere Bekämpfung der Kinderarmut zum Beispiel durch das Zusammenfassen verschiedener Leistungen und ein automatisierter Auszahlungsweg, um verdeckter Armut zu begegnen.
Neue Regierung muss Unterstützungsmaßnahmen umsetzen
„Aber auch mit Hinblick auf die Landtagswahl in wenigen Wochen, erwarten wir von einer neuen Landesregierung, dass sie gezielte regionale Unterstützungsmaßnahmen umsetzt, dazu gehört die Unterstützung der Gemeinden bei der Verbesserung des ÖPNV-Angebots, den Ausbau der sozialen Wohnraumförderung und einen noch stärkeren Fokus auf verbesserte Bildungsangebote,“ führt Weber aus.
Der SoVD Rheinland-Pfalz / Saarland ist besorgt über die hohe Quote bei der Nichtinanspruchnahme von Sozialleistungen.
Abschließend formuliert Norbert Weber: „Sowohl bürokratische Hürden als auch ein falsches Schamgefühl hält Menschen davon ab, ihnen zustehende Sozialleistungen zu beantragen. Wir müssen als Gesellschaft davon wegkommen Menschen nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen zu bewerten. Niemand soll sich dafür schämen müssen Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dafür steht der SoVD Rheinland-Pfalz / Saarland."
