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Psychotherapieplätze sind Mangelware

Aktuelles Gesundheit

SoVD-Landesvorsitzender Norbert Weber: „Weniger Honorar trotz fehlender Therapieplätze. Das passt nicht zusammen.“

Eine Frau hält sich die Hände vor das Gesicht und spricht mit einer Person, die sich Notizen macht.
Eine Psychotherapie kann in persönlichen Krisen extrem wichtig sein. Durch die Kürzungen ist der Zugang für viele Patientinnen und Patienten gefährdet. Foto: Drazen Zigic / Freepik

Der erweiterte Bewertungsausschuss, dort sind der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und kassenärztliche Bundesvereinigung und drei unparteiische Mitglieder vertreten, hat vor wenigen Tagen beschlossen die Vergütung ambulanter Psychotherapie um 4,5% zu kürzen. Besonders pikant an dieser Entscheidung ist, dass nicht wie üblich im einvernehmen entschieden wurde, sondern sich der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen durchgesetzt hat. Das Nachsehen haben die Patient*innen. 

Die Krankenkassen argumentieren, dass die Anzahl der Therapeut*innen doch in den letzten Jahren gestiegen sei und sich die Leistungsmenge ausgeweitet habe. Allerdings bleibt die Versorgungssituation angespannt, da die Nachfrage nach psychotherapeutischen Leistungen in den letzten Jahren deutlich stärker zugenommen hat, als das Angebot.

Gesetzlich Versicherte sind Leidtragende

„Der SoVD Rheinland-Pfalz/Saarland befürchtet, dass diese Kürzung der Vergütung voll zu Lasten der Menschen geht, die Unterstützung benötigen. Therapeutinnen und Therapeuten könnten, um wirtschaftlich zu arbeiten, darauf angewiesen sein, Privatpatientinnen und -patienten zu bevorzugen. Dies führt zu einer Verdrängung und einer weiteren Verknappung des Angebots für gesetzlich Versicherte. Zudem ist das ein fatales Signal an psychisch Kranke“, mahnt Norbert Weber, Landesvorsitzender des SoVD Rheinland-Pfalz/Saarland. 

Laut Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz ist die Versorgung unzureichend, vor allem, weil die Bedarfsplanung fehlerhaft ist. Auch hier wird anerkannt, dass die Anzahl der Therapeut*innen gestiegen ist. Es wird aber völlig ausgeblendet, dass viele davon kurz vor dem Ruhestand stehen. Im Jahr 2023 lag Rheinland-Pfalz bei der psychotherapeutischen Versorgung auf dem vorletzten Platz der westlichen Länder. Auf 100.000 Einwohner kommen lediglich 32 Psychotherapeut*innen und Kinder- & Jugendlichenpsychotherapeut*innen. 

SoVD: Kürzungen bei Vergütung zurücknehmen

„Es ist doch sprichwörtlich irrsinnig, wenn man einem gestiegenen Bedarf solch eine Entscheidung entgegensetzt, die zwangsläufig zu einer Verknappung des Angebots führt. Zumal wir durch eine wünschenswerte Entstigmatisierung, der Auswirkungen der Corona-Pandemie und des gestiegenen Arbeitsdrucks auch mittel- und langfristig ein größeres Angebot brauchen. Vor allem Kinder und Jugendliche lassen wir komplett alleine und signalisieren ihren so, dass sie keine Lobby haben. Der SoVD Rheinland-Pfalz/Saarland drängt darauf, dass die Kürzung der Vergütung zum 1. April noch einmal überdacht und zurückgenommen werden“, führt Norbert Weber abschließend aus.